Der nächste Regen

24. März 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Neulich saß ich da und mir war langweilig. Mein Gott, war mir langweilig. Mir war so langweilig, also sowas von langweilig, schon lange war mir langweilig, aber so schon lange nicht mehr. Die Zeiger klebten am Zifferblatt meiner langweiligen Uhr. Der Wind schleppte sich ums Haus und Hustete kränklich durch mein undichtes Fenster. Enten, so langweilig wars, boten sich den Tauben zum Fraß an und umgekehrt. Die alte Dame von gegenüber polierte seit den Morgenstunden ihren Rolator auf hochglanz. Als sie merkte, wie langweilig es der ganzen Welt und mir gerade war, verbrachte sie den Rest des Tages lieber sterbend. ES WAR VERDAMMT UND ZUGENÄHT TOTLANGWEILIG.

Da Plötzlich klopfte es an meiner Tür. Ich rief laut „verpiss dich, ich hab keine Zeit“. Er schrie „hier ist dein Vater. Gib mir sofort die Alimente zurück, die ich für dich zuviel bezahlt habe.“ Ich band das Geld an einen Backstein und warf ihm das Paket an den Kopf. Er brach zusammen und starb auf meiner Fußmatte. Es war zum kotzen langweilig. Als ich ihn entsorgt, und Geld und Backstein wieder an ihre üblichen Plätze verstaut hatte, langweilte ich mich wieder. Diese scheiss Alimente. Die alte Dame, die jetzt tot war, wurde inzwischen von zwei gelangweilten Feuerwehrleuten aus ihrer Wohnung getragen. Um sich von ihrer Langeweile abzulenken, hatten die beiden den Rolator, der die tote Dame unter sich begrub in mehrere Einzelteile zerschweisst, um die Leiche bergen zu können. Die Polizei fuhr vor und schaute dort nach dem Rechten. Da sie gerade in der Gegend waren und ihnen langweilig war, kamen sie zu mir, um mir langweilige Fragen über meinen Vater zu stellen. Mir war zu langweilig, mich an irgendwas zu erinnern und ich sagte nichts. Die Polizisten hörten nicht auf zu fragen und versuchten mich in Aufregung zu versetzen. Das fand ich unangenehm und ich verstand nicht ein einziges Wort von dem langweiligen gefasel. Ich gab ihnen wortlos die Alimente und sie sagten fröhlich, alles würde jetzt wieder gut werden. Dann verschwanden sie.

Mir war immer noch langweilig. Der Himmel war grau, dunkelgrau sogar und das triste Dasein an diesem Ort entfaltete seinen Briefumschlagkleber-ähnlichen Geschmack. Zwei langweilige Tote heute, und ein paar langweilige Leben ließen mich ein tiefes Loch in meinem Garten graben, mich hinein setzen um auf den nächsten Regen zu warten.

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