Hackentreter

18. Dezember 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir fahren, wir lassen überholen, wir lassen vor uns einscheren und dann lassen wir uns ausbremsen. Dabei schimpfen wir, in unserem eigenen Königreich, unserem Auto, über den Übeltäter, den Unfähigen, den Mann am Steuer vor uns. Vielleicht wars auch eine Frau, man weiß es nicht. Arschloch-Autofahrer.  Ich laufe, jemand überholt mich, schwingt seinen mageren Hintern direkt vor mein Füße und kriegt mit Schwung erstmal ordentlich eins in die Hacken getreten. Das kann schon unangenehm sein, das verstehe ich. Das er sich dann umdreht und sich beschwert, inmitten einer weihnachtswahnwitzigen Meute deren Vorankommen nur noch um des Vorankommenwillens geschieht, überascht mich ein wenig.

Ob ich denn nicht aufpassen könne, beschwert er sich, und ich schaue mich kurz um und sage: Nein, kann ich eben nicht. Ich glaub auch, das dahinten noch einer liegt, mit einem plattgetrampelten Geschenk auf der Brust, aber ich bin mir nicht sicher, und falls es so ist, ihm hätte ich auch nicht mehr helfen können.  Ich sei ihm voll in die Hacken getreten, was auch absolut stimmte. Das ist richtig, sage ich nickend. Und wenn er etwas kürzer wäre, hätte ich ihm vermutlich mit Schmackes den Sack ins eigene Gesicht geschossen, denn wir waren recht schnell unterwegs, dass passiert eben schonmal, wenn man seine Körperteile dort hin hält, wo fremde Füsse eilig zu gehen versuchen. Er fände das aber nicht in Ordnung. Versuch doch einfach mal geradeaus zu laufen, anstatt dich jedem vor die Füsse zu werfen, rate ich.  So wie du dich durch die Menge bewegst, und so wie deine Hose aussieht, war ich heute wohl nicht der erste, der dich beim Laufen quasi mit einbezogen hat.

Laufen in einer Menge ist eine komplizierte Sache. Je mehr Menschen zusammen in irgendeine Richtung gehen, desto mehr verhalten sie sich, als ob sie alleine wären. Quer durch die Menge zu laufen, dabei den Kopf halb nach hinten verschrenkt ist genauso wenig empfehlenswert, wie einfach mal in der Mitte anzuhalten und zu überlegen ob man nun an das Christkind oder lieber an den Weihnachtsmann glauben soll. Die Hacke tut ihm ganz schön weh, von meinem Tritt, sagt er. Das ist richtig, sage ich genervt verständnisvoll. Und wenn du dich nochmal so dummdussilig vor mir her drängelst, trete ich so doll zu, das du dir deine Socken aus der Nase ziehen kannst. Er ließ mich kommentarlos zurück und eilte quer durch die Menge, noch drei mal von anderen in die Hacken getreten in den nächsten H & M, wo die Türsteher gerade jemandem mit Pornobrille den Zutritt verweigerten und laut riefen: Du komms hier net rein. Ich schmiss mich zurück in die Menge und hielt Ausschau nach meinem nächsten Opfer.

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