Schlupp

27. Februar 2008 § Ein Kommentar

Viele, viele hässliche Menschen kämpfen sich durch Bremens Lloyd Einkaufs-Passage in der Innenstadt, wo ein ahnungsloser Reporter mit einem riesigen Mikro versucht, einige Stimmen für einen Radiobeitrag einzufangen. „Kennt ihr die Augsburger Puppenkiste?“  Na klar kennen wir die. „Und wie wurde das gemacht?“ Wie das gemacht wurde? Na, mit Puppen halt. An so Fäden. Und das Wasser war meistens eine blau schimmernde Plane. Er verliert keine Zeit und sagt erst gar nicht, wo er herkommt und warum er seine Fragen an uns stellt. Allerdings funktioniere ich nicht besonders gut auf Knopfdruck. Ich kann meine Gedanken nicht sofort in andere Bahnen lenken. Also ich könnte schon, wenn ich an Marmelade denke mir im nächsten Moment Nutella aufs Brot schmieren, aber vom Gedanken, ob man bei der Lloyd-Passage das erste und das zweite L der Reihe nach, oder eben zusammen ausspricht direkt auf Puppentheater umzuschwenken überfordert mich. Vielleicht auch einfach, weil‘s mir im Grunde vollkommen egal ist. Wäre ich bei Big Brother eingesperrt, und plötzlich spielen die während eines dramaturgisch wichtigen Unterhosenwechsels bei mir selber laute Musik ein, könnte ich nicht einfach so drauf los tanzen. Ich würde mich strickt weigern. Es sei denn, in meinem Big Brother-Vertrag steht ausdrücklich: Tanzen!

Trotzdem strenge ich mich an, denn vielleicht komme ich ja ins Radio. Außerdem habe ich meine strickte Verweigerungshaltung gerade vergessen und wie er mir das Monster-Mic unter die Nase hält, versuche ich in höchster Eile alles über die Augsburger Puppenkiste auszuplaudern, was mir in den Sinn kommt. Zum Beispiel eine Hexe, die sich auf dem Dach eines kleinen Hauses auf ihren Besen schwingt, mit dem rechten Bein wackelt und ruft, herab vom Dach mit uns. Kann er nichts mit anfangen, der Radiomann. Außer mir kann sich vermutlich nur noch mein Bruder an diese Szene erinnern, und ich kann nicht einmal sagen, zu welcher Geschichte diese Hexe gehört. Ein riesiges Fragezeichen schwebt über uns und der Rundfunkkollege ist beinahe schon im Begriff, mir das Mikro weg zu ziehen. Urmel, fällt mir ein und ich rufe „Urmel aus dem Eis“, doch das ist keine Antwort auf seine Frage. Wie das gemacht wurde…  woher soll ich das wissen, ich war ja nicht dabei. Aber die Frage hatte ich ja eigentlich auch schon irgendwie beantwortet und Jim Knopf fällt mir nicht ein, aber Schlupp vom grünen Stern. Das Fragezeichen wird immer größer, schwebt aber nun ausschließlich über dem Kopf des Fragers, denn ich find‘ mich super, mit Schlupp im Schlepptau. Das Mikro baumelt längst wieder an seinem Arm neben seinem Knie und seine Stirn runzelt was das Zeug hält. Er sieht sogar recht angewidert aus. Schlupp kennt er überhaupt nicht, sagt er. Und jetzt erst, wo ohnehin schon alles vorbei ist, frage ich, wofür das alles gut ist. Die Augsburger Puppenkiste wird 50, sagt er. Und geht. Ich fühle mich inkompetent und rufe noch schnell und süffisant „Viel Glück“, von wegen – ich weiß ja, dass du mit meinem Beitrag nicht viel anfangen kannst, aber das stört mich nicht weiter. Wie kann er Schlupp nicht kennen? Vielleicht ist das ja auch gar nicht sein Problem.  Die Augsburger Puppenkiste wird nämlich sechzig und nicht fünfzig. Also nochmal… Viel Glück

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