Das Ex-Freund-Problem

3. Dezember 2006 § 3 Kommentare

Wir Küssten uns. Das erste mal. Wir waren in ihrer Wohnung und hatten gerade etwas gegessen, dass wie Pasta mit irgendwas aussah. Es war gar nicht so schlecht, obwohl ich mich für Nudeln sonst nicht so erwährmen kann. Aber für sie konnte ich es. Viel Knoblauch sei da drin gewesen, aber das war uns vollkommen wurscht, wir hatten ja beide das gleiche gegessen. Jetzt viel küssen. Wie weit wird das wohl noch gehen, dachte ich. Ich war frisch geduscht, gebe zu mir an diversen stellen noch einmal die Haare gestutzt zu haben und war eigentlich bereit, mich in diese schöne Frau hinein zu begeben.

Küssen ist ja soweit ganz nett, aber wenn es so lange dauert? Wenn einem die Gedanken anfagen herumzutanzen? Wenn man sich fragt, was als nächstes zu tun ist, sie aber versucht die Kontrolle zu behalten und darauf besteht, einem die Zunge noch tiefer in den Hals zu schieben? OK, dachte ich, ich bin ja kein Weichei. Das hälst du durch. Zunge im Hals. Fünf Minuten. Kein Ding. Zehn Minuten. OK. Zwanzig Minuten. Na gut. Nach vierzig Minuten sagte mein Schwanz zu mir, ich leg mich mal wieder hin. Aber ich ließ ihn nicht. Und sie machte eine kurze Atempause. Wir erreichten bald die sechszigste Minute dauerknutschen. Irgendwann gestattete sie, dass ich meinen Kopf drehe. So konnte ich mir wenigstens den anderen Teil ihres Wohnzimmers ansehen.

Eine hässliche Stehlampe hatte sie. Eine langweilige Tapete und eine Schrankwand, die aussah als wäre sie aus einem dieser SB-Möbel Dinger. Laaaangweilig. Mein Gott. Dieser Wohnzimmertisch. Das waren Mamorkachelnachbildungen, eingerahmt von mit schwarzer Folie beklebten Spanplatten. An der Wand neben der schrecklichen Schrankwand hing ein selbstleuchtendes Bild von einem schwarzen Panther, so eines von der Kirmes. Und neben der Couch stand ein kleiner weißer Beistelltisch, mit dem Telefon, einem kleinen Notizblock und einem Stift darauf, und außerdem stand da noch ein Foto. Ein Kerl. Ein komischer Typ. Zu jung, als das der ihr Vater sein konnte. Vielleicht ihr Bruder? Seine Eltern müssen die hässlichsten Menschen der Welt gewesen sein. Bis ihr Sohn zur Welt kam. Die nette Dame, die da so heftig an meiner Unterlippe saugte müsste demnach adoptiert sein, wenn der wirklich ihr Bruder war. Oder es war ein Wunder, denn sie sah wirklich atemberaubend schön aus. Der Typ allerdings war unglaublich hässlich. Man konnte den krankhaften Aussschlag in seinem Gesicht kaum von den ganzen Pickeln unterscheiden, die bei ihm sprießten, als sei der Frühling auf seiner Haut ausgebrochen. Jedoch viel schlimmer als alles andere war, sein Gesicht hatte eine fast symetrische Form. Er sah aus wie aufgeklappt. Menschen mit symetrischen Gesichtern sehen eigenartig aus. Irgendwie abnorm. Ich habe mal ein Bild von Einstein gesehen, auf dem man eine seiner Gesichtshälften gespiegelt hat. Nun, ich will sagen, das sanfte aber bestimmende weil wissende Ausrufezeichen in seinem Gesicht verwandelte sich in ein völlig ausgefranztes und unscheinbares Fragezeichen. So sah der Typ auf dem Foto auch aus. Das einzig nicht symetrische in seinem Gesicht war sein Mund. Die rechte Seite seiner seiner Lippen hingen seltsam herunter, die linke lächelte. Das machte ihn erstmal richtig blöd.

Für´s Aussehen kann man ja meistens nichts. Vielleicht ist er ja ganz nett. Und vielleicht, so dachte ich mir endlich mal, versuche ich mir diese kleine Gierschnecke mal kurz aus dem Rachen zu nehmen um sie zu fragen, wer das ist. Sie schaute kurz auf das Foto, lachte noch kürzer und sagte dann, dass es ihr Ex-Freund ist. Dann nahm sie meinen Kopf in beide Hände und stülpte ihre Lippen wieder über mich. Ihr Ex-Freund! Lichtes Haar hatte er. Blond und spährlich. Hohe Stirn. Stirnfalten. Komische Wellenlinien, seine Stirnfalten. In seinem Gesicht hatte die Haut mindestens 5 verschiedene Farbtöne. Ein paar Zähne lugten unter der Oberlippe hervor. Alle unterschiedlich lang. Seine Ohren standen ab. Da er leicht im Profil fotographiert wurde, sah man in einem Ohr ein kleines Stück Ohrenschmalz liegen. Ein Stück! Vielleicht hatte er Ohrenschmalzprobleme. So wie mit dem Ausschlag. Seine Augen waren ganz glasig. Und er hatte keine Wimpern.

Er sah aus als würde er müffeln. Man geht so durch die Straßen und sieht von weitem jemand, von dem man direkt weiss, der müffelt. Sowas gibt es. Man redet nicht mit Leuten die müffeln. Sie verbreiten doch nichts anderes als Gestank. Ich war fest davon überzeugt, der müffelt. Ich fragte, wie lang sie mit ihm zusammen war. Ein halbes Jahr, war die Antwort. Aber letzen Monat haben sie schluss gemacht. Letzten Monat. Ich sei seitdem der erste, mit dem sie mal wieder ausgehen würde. Dann knutschte sie weiter. Er hat sie quasi an mich weiter gereicht. Der Müffelkopp. Er hat mit seiner verpickelten Eiterzunge ihren kompletten Mund abgeleckt und jetzt schiebt sie mir seine Bakterien in den Hals. Und sie hatte da sicherlich nicht nur seine Zunge drin. Ich hatte ja gleich den Eindruck, sie ist irgendwie pervers. Deswegen saß ich ja da. Warum habt ihr denn schluss gemacht?, wollte ich wissen. Ach, der hatte so seine Probleme. Das konnte ich mir vorstellen. Mein Schwanz hatte sich mittlerweile wieder schlafen gelegt. Ihre heftiges geknete in meinem Schritt, nach ca. 110 Minuten Mund-zu-Mund Beatmung half da auch nicht, was auf sie offensichtlich etwas irritierent wirkte. Ist nicht schlimm, wenn du nervös bist. Mein Ex konnte auch manchmal nicht. Da hab ich ihm einfach einen geblasen. Um Himmelswillen. Und dann steckte sie ihre Zunge wieder rein, bevor sie langsam am mir runter zu rutschen drohte. Es war, als wäre ich gerade dabei ihm seine schmutzige alte Wurst auszusaugen. Und gleich würde sich das Grauen auch noch auf meinem ganzen Körper ausbreiten.

Wie konnte es auch anders geschehen, ich spuckte sie förmlich aus. Ich wollte sie nicht mehr. Da war der Müffler dran. Sie hatte dieses Ekelpaket an sich heran gelassen. Als hätte jemand ein köstliches Steak in die Klärgrube geworfen, ordentlich durchgerührt und es mir dann wieder vorgesetzt. Auf keinen Fall konnte ich da weiter machen. Was ist denn, fragte sie. Ich konnte nicht mal mehr etwas sagen. Der war dein Freund? rief ich vorwurfsvoll. Unter dem Vorwand, ich müsse dringend noch was erledigen löste ich ihre Umklammerung und schnellte hoch, zur Tür, schnappte meine Jacke und flüchtete aus ihrer Wohnung. Die arme, dachte ich noch während ich mich in ihrem Hausflur vor Ekel schüttelte. In der Wohnungstür gegenüber stand ein Rentnerpärchen und beide grinsten. Schon wieder einer, sagte er zu ihr. Und hoffentlich kotzt der nicht auch wieder den Hausflur voll.

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