Mein Fischgrätenbaum

Hätte ich auch nur geahnt, dass ein Fischgrätenbaum soviel Arbeit macht, hätte ich das Geschenk abgelehnt. Die Nachbarn beschweren sich wegen des Geruchs, er ist mittlerweile so hoch gewachsen, dass meine Satellitenschüssel keinen Empfang mehr hat, und jeder hat natürlich einen besseren Tipp, was so ein Fischgrätenbaum braucht. Erst goss ich ihn mit kochendem Rollmopswasser, dann vergrub ich in regelmäßigen Abständen alte Kaviarbüchsen in seiner Erde. Und ganz wichtig: Drei mal im Monat nagel ich einen kleinen Goldfisch an seine Schuppenrinde. Das sol ihm einen ganz besonderen Glanz verleihen. Nichts davon hat diesem verdammten Fischgrätenbaum davon abgehalten zu faulen. Früher konnte man sich noch an heißen Sommertagen in seinem Schatten entspannen, doch ich fürchte, im nächsten Sommer wird nicht nur diese Straße, sondern die ganze Siedlung nach dem faulem Fischgrätenbaumgaroma stinken.

Vor einigen Jahren half ich einem Freund seinen alten Fischgrätenbaum zu entsorgen. Erst machten wir eine kleine Zeremonie, bei der wir uns mit Fischdärmen bewarfen. Er meinte, das sei ein lokaler brauch. Kurz nachdem wir das Ungetüm dann zu Fall gebracht haben, stieß aus dem Stumpf am Boden eine riesige Tentakel, schnappte ihn und zog ihn in die Erde. Ich konnte nichts tun. Ich wüsste nicht was ich tun sollte, würde mir bei meinem Baum das gleiche passieren. Also, auch wenn man mir Egoismuss vorwerfen will, ich werde diesen Fischgrätenbaum nicht Fällen. Das ist mir einfach viel zu gefährlich.



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