Superheld VI – Das Kanzlerhöschen
Veröffentlicht: 6. Februar 2011 Einsortiert unter: Kurzgeschichten Schreibe einen Kommentar »“Du Merkelchen,” so nannte ich sie jedesmal, nachdem ich sie durch die Laken gescheucht hatte, “war’s für dich auch so anstrengend?” Ihre Mundwinkel verschwanden in der Tiefe. “Der heutige Tag ist ein Tag der Orgas… Organisation. Bitte gehe jetzt, bevor ich gleich wieder wichtige Entscheidungen in den Sand setze, weil ich immer stets den mittleren Weg wähle, um keine Wählerinnen und Wähler oder andere Länderinnen und Länder oder Spinnen und Schnaken oder Rehe und Katzen oder Wolken und Außerirdische oder Reporter zu verschrecken”. “Erstaunlich, mein kleines, gewievtes Merkelmädchen”, sagte ich “wie unglaublich durchkalkuliert du an alles heran gehst. Deine Bewegungen eben waren auch eher mittelmäßig, aber dafür präzise ausgeführt. Ich habe noch nie so kontrolliert ejakuliert wie mit dir.” “Da hab ich auch lange für geübt”, antwortete sie stolz. Ich war überzeugt: Würde sie in einem Wahljahr mit jedem ihrer Wähler das gleiche, und vor allem auf die gleiche Art treiben, wie mit mir eben, sie würde mit einem fantastischen Durchschnittswert den Wahlsieg erringen, nachdem der alte Schröder seinen Stimmenzwilling Frank-Walter auf der Bühne schon als Sieger präsentiert hat.
Ich schnappte mir ihr Höschen als Andenken und machte mich hurtig aus dem Staub, bevor sie die Decke zur Seite schlagen und aus dem Bett steigen konnte. Ich lief durchs Kanzleramt und suchte den Ausgang. Hinter mir tauchte aus dem Nichts ein Sicherheitsmann auf und forderte einen Einblick in meine Taschen. Um alles in der Welt wollte ich verhindern, dass er sieht, welche Farbe die Unterwäsche unserer Kanzlerin hat also leitete ich ein Ablenkungsmanöver ein: Ich rief den vorbei-eilenden Kriegszu-und-andere-um-stände-vertuscher zu Guttenberg zu uns herüber und Stürmte an ihm vorbei. Der Wachmann startete Blitzschnell, doch rutschte er leider auf der besserer-Mensch-als-alle-anderen-Frisur des politischen Hochadels aus und knallte mit dem Unterkiefer auf die Harte Realität. Zu Guttenberg sah es und fing sofort an zu weinen.
Meine Tarnung war jetzt im Eimer, also hob ich ab und flog zum Ausgang. Ich bemerkte nicht, das Angelas Höschen langsam aus meiner Tasche rutschte und sich in den Knöpfen meines Superheldenmantels verhedderte. Kurz bevor ich den Ausgang erreichte, spannte sich der Kanzlerinnenschlüpfer hinter mir auf und bremste mich, wie der Schirm bei einem Dragstar. Ich biss den Gummizug durch und befreite mich flugs, bevor ich mit einem kräftigen Sprung gen Kanzlerinnenkuppel schoss. Mit meiner eisernen Faust, schlug ich durch das Sicherheitsglas und im nu war ich wieder frei. Frisch gefickt, aber ohne Kanzlerhöschen machte ich mich auf den Heimweg um mir meine Angie in den Nachrichten anzuschauen. Sie lächelte. Ich hatte meinen Dienst geleistet.
