Wenn man ein Gewitter auf dem Gesicht seines Gegenüber heranziehen sieht, noch bevor der Witz die Pointe erreicht hat, ist es längst zu spät. Für Manche bin ich eben nicht in der Position, Witze machen zu dürfen. So steht er vor mir, mit seinem geölten schwarzen Haar, seiner Lederjacke und seiner viel zu hoch getragenen Nase. Die Frage, ob ich mich hier auskenne ist vollkommen überflüssig, denn ich trage die Kleidung des Hauses und erstelle gerade eine Verbindung zwischen zwei Geräten, die wir zum Verkauf anbieten. Es ist unbedingt notwendig, dass ich mich hier auskenne, denn ohne ausreichende Kenntnisse, die ich jeden Tag in aller Öffentlichkeit demonstriere, würde meine Arbeit schließlich zu keinem Ergebniss führen und mich langfristig aus dem Unternehmen befördern. Nichts desto trotz diese Frage und meine Antwort, ein ganz kleines bißchen würde ich mich auskennen, offenbar viel zu schnippisch jedoch untermahlt mit einem versucht charmanten Lächeln, während ich von mehreren Kupfer und Glasfaserkabeln umgeben hinter einem der zahlreichen DigitalKrachBummMonstern hervor schaue, kommt ihm furchtbar gelegen mich herunter zu putzen. Ich war ihm wohl doch nicht charmant genug. Er müsse sich dieses ja wohl nicht gefallen lassen, dass wäre ja wohl eine unverschämtheit. Ich entschuldige mich kurz und knapp, noch einmal mit einem weiteren meiner versucht charmanten Lächeln, ziehe mir das Digitalkabel aus dem Ohr und biete zum wiederholten Male sehr höflich und ausdrücklich meine Hilfe an. Doch es ist zu spät. Auf der Straße hätte er mich sicher schon abgestochen, doch hier, in den heiligen Hallen des Konsums und der käuflichen Arschkriecherei droht er mir mit schweren Konsequenzen: Sie kriegen Ärger mit ihrem Chef. Vorerst bekomme ich keinen Ärger mit meinem Chef, denn seine Kostenstelle wurde kurzerhand aufgelöst und das Geld zum Wohle der Firma eingespart. Ich hingegen bin ja noch da und biete, was soll ich auch sonst machen, ein zusätzliches Mal meine Hilfe an. Doch er will nicht und so sehe ich keine andere Möglichkeit, als ihn an meinen werten Kollegen weiter zu reichen. Hasserfüllt stampft er zu ihm herüber und beschwert sich über mich, bevor die beiden dann endlich zum eigentlichen Wesen seines Aufenthaltes in unserer Abteilung kommen. Als die Schmierlocke endlich mit seinen dummen fragen fertig ist und mir einen verachtenden Blick zu wirft, bevor er das Haus verlässt, lächel ich ihm zu und denke: So weit kann man dir den Arsch gar nicht aufreißen, wie tief du willst, dass man dir hinein kriecht. Wenigstens denken darf ich noch, was ich will. Aber an meinem charmanten Lächeln muß ich wohl noch arbeiten.
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