Wenn deine Welt nicht mehr ausreicht, dann benutz doch einfach...

Die innere Kälte

In Alkohol, Arschgeigen, Ängste, Ärger on 22. Oktober 2007 at 20:45

Es wird kühler im Land. So ist es denn kein Wunder, wenn mein neuer Nachbar einiges veranstaltet, um sich ein wenig Wärme zu verschaffen. Der Arme wurde tatsächlich von seiner Mutter, die gleichzeitig unsere Vermieterin ist, der heimischen Wohnung in der ersten Etage verwiesen, um sein Glück im Erdgeschoss neben mir zu finden. Nachdem er nun einige Wochen renoviert, den Flur verunstaltet und alles mögliche an Möbelkram grundsätzlich in den Weg gestellt hat, durfte ich mir vor kurzem sein neues Heim ansehen. Es war drei Uhr morgens. Er saß sturzbetrunken in einem Sessel, der auf halber Treppe neben einem kleinen Tisch und einer kleinen Lampe etwas Gemütlichkeit ausstrahlen soll, und war nicht angsprechbar. Er reagierte er auf meine Stimme eher, wie ein Moskito auf einen hellen Ton reagiert: Er schmiess seine Extremitäten in die Höhe und ließ sie völlig unkontrolliert wieder fallen. Ich hätte ihn auch gar nicht angesprochen, wäre da nicht seine hübsche Nachtmusik gewesen, die mich nicht schlafen ließ. Sein Tür stand einladend weit offen, so dass ich ihn einfach da sitzen ließ und mich auf das reduzieren der Lautstärke in seiner Wohnung konzentrierte. Er hatte es sich ziemlich nett gemacht. Er hat hübsch gestrichen, tolle Möbel, alles gut. Da war er ja auch nüchtern. Nachdem die Anlage nun ausgeschaltet war, ging ich wieder in meine eigene Hütte um mich weiter meinen Angelegenheiten zu kümmern: Schlafen.

Vielleicht hätte ich ihm etwas Trost spenden sollen. Vielleicht hätte ich netter zu ihm sein sollen. Denn offensichtlich hat er eine gewisse innere Kälte verspürt, die ihn zwei Wochenenden Später wieder zur Flasche, und danach zum Feuerzeug greifen ließ. Wir haben einen Garten. Der ist nicht besonders groß, aber auch kein Winzling und durchaus eine bessere Wahl für ein Lagerfeuer. Doch im Suff sind Herz und Hirn oftmals verblendet und er zündelte einfach dort, wo er sich am liebsten aufhielt – in der Garage. Das ist dort, wo andere Leute ihr Auto aufbewahren, doch bei uns stehen nur ein paar müde Zweiräder. Deshalb ist es für mich auch nicht schlimm, über der Garage zu schlafen. Es sei denn, jemand besorgt sich ordentliches Feuerholz, legt es sich Lagerfeuerartig zurecht, rückt sich noch einen Gartenstuhl ran und feuert, zwischen den Drahteseln, dem Werkzeug und den Ölen und Fetten für Instandhaltung der ebengenannten Dinge einfach drauf los.

Ich glaube niemand hat bisher seine innere Kälte jemals mit einem Brand in der Garage bekämpfen können. Mein Nachbar auch nicht. Er ist einfach eingeschlafen. So lagen wir denn mehr oder weniger alle drei, meine Herzallerliebste, ich und natürlich er recht nah an den tanzenden Flammen und atmeten ein, was das Feuer so hergab. Bis sein Bruder bei uns klingelte und uns aus dem ungesunden schlaf riss. Er habe gerade gelöscht, sagte er. Ob bei uns alles in Ordnung sei, fragte er. Sein Bruder sei mal wieder betrunken, merkte er nebenbei an… Als ich vor der Garage stand, sah ich den Eimer, den nassen Boden, schwarze fette Holzschaten, und zwar nicht wenige, direkt neben meinem Rad, und natürlich den Gartenstuhl. Mein Nachbar hatte sich neben die Garage gestellt und geschwiegen. Auf die Frage, was dieser Blödsinn soll, antwortete er, es habe sich entzündet. Am liebsten hätte ich ihn erwürgt. Ich brauchte den ganzen Tag, den gestank aus der Bude und das Kratzen aus dem Hals zu kriegen. An das, was hätte passieren können, mag ich gar nicht denken. Und ich muß sagen, so langsam fang ich an diesen Typen nicht mehr zu mögen.

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