Wenn deine Welt nicht mehr ausreicht, dann benutz doch einfach...

Was sie wollen

In Blender, Gesellschaft, Konsum, Trends, leise Kritik on 30. September 2007 at 15:59

Was kann mein zukünftiger iPod? Surfen im Internet? Wozu, zur Hölle? Ich sitze also demnächst in New York (selbstverständlich!) im Star Bucks (schon allein die Vorstellung ist für mich natürlich absolut göttlich), trinke einen ans nahezu genialistische grenzenden Kaffee und lausche der hochgradig interessanten Popmusik, die Star Bucks für mich und die anderen genialistischen Leute, die genauso sind wie ich ausgesucht hat. Ich sage oh yeah, I like that beat, und schmeiße meinen iPod an und drücke den Star Bucks-Button auf dem Player um das gute Stück Musik, das meine Ohren herzhaft aber bestimmend umschmeichelt per Star Bucks WLAN gegen einen kleinen Obolus runter zu laden. Einfach! Super.

Ich hoffe, bis ich soweit bin hat Apple das große Problem der Frage gelöst, welche Kleidung zu diesem großen Anlass zu tragen ist. Diverse Quellen besagen, es laufen bereits Verhandlungen mit H & M und GAP. Der iPod erhält ein update für ein ganz besonderes feature: Sitzt man in einem Star Bucks und trägt die falsche Kleidung, erscheint ein H & M oder GAP button. Wenn man ihn aktiviert, hat man die Chance, je nach morgentlichem Fehlgriff vor dem Kleiderschrank sich innerhalb einiger Nanosekunden ein schickes T-Shirt oder eine passgenaue Jeans down zu loaden. Danach sieht man aus, wie aus der Werbung gepellt und kann sich dann durch die leuchtende Stadt auf den Weg zum nächsten Star Bucks machen. Das ganze wird sicher auch in der Geburtsstätte des iPod und dessen wahnwitzigen Funktionen möglich sein – in San Francisco. Nur eben in schwul.
Bibelverkäufer sind an diesem Ort sicher selten gesehen, heutzutage. Doch früher, als sie noch von Tür zu Tür tingelten, bedienten sie sich einiger Tricks, die Apple, Star Bucks und einige andere Firmen wie aufgegriffen haben. Alte Schule, also.

Der Bibelverkäufer verschaffte sich lächelnd Eintritt in die von Gott gesegneten Heime seiner Opfer. Wer weiß, vielleicht waren es ja auch keine Opfer. Vielleicht wollten sie ja auch eine Bibel kaufen. Sie hatten möglicherweise noch keine, doch jetzt, wo jemand zu ihnen an die Tür kommt, da kommt gleichzeitig die Erleuchtung ich brauche eine große schwere Bibel. Oder eben ich brauche noch eine große, schwere Bibel. Wie auch immer.

Der Bibelverkäufer betete herunter, wie wichtig es ist, sein Produkt als sein Eigen nennen zu dürfen und pries es an, als das allerbeste, das allercoolste und das allernotwendigste, um in dieser Welt überleben zu können. Dann hielt er einem sein Klemmbrett hin, auf dem der Kaufvertrag geheftet war, und sobald man es entgegen genommen hatte, um sich den Vertrag, wie vom Verkäufer gefordert etwas genauer anzusehen, um sich selber davon zu überzeugen dass es sich auch wirklich um keinen Betrug handelte, lies der von „Gott gesandte“ seinen Daumen hochschnellen und seinen Stift über das Klemmbrett direkt in die Hand des unschuldigen Schafes gleiten, in der Hoffnung, dieses Schaf könne seinen Namen völlig selbstständig aufschreiben. Drei Kreuze allerdings, würden auch reichen. Noch einfacher wäre es natürlich, einen Button drücken zu können.

Das Wohlbefinden jedes einzelnen Menschen ist das allerwichtigste für den Bibelverkäufer, Apple, Star Bucks oder allen anderen Menschenfreunden. Denn wenn alles richtig ist, wenn jedes einzelne Detail genau da ist, wo es hin gehört, muß man sich nicht der mühsamen Aufgabe unterziehen irgendetwas zu berichtigen. Man kann in aller Seelenruhe den hübschen Lichtern hinterher jagen, die nie aufhören aus der Ferne zu locken.

  1. Genau. “Mobile shopping” ist die größte Erfindung seit langer Zeit.

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