Wenn deine Welt nicht mehr ausreicht, dann benutz doch einfach...

Wodka Lemon

In Alkohol, Blender, Geschichten, Irrtümer on 5. Juni 2007 at 19:03

Die Betäubung meiner selbst kommt in raschen Zügen. Wodka Lemon… alles andere kann mir gestohlen bleiben. Ich denke nicht über diesen Drink nach. Ich will nichts Besseres trinken. Wodka Lemon reicht mir vollkommen.

Dieses Weibstück ist ganz schwer zu ertragen. Vielleicht will sie Tanzen. Ich bin zögerlich, trotz Alkohol, denn ich weiß um meine tänzerischen Fähigkeiten. Aber sie lässt mir keine andere Wahl: Sie quatscht einfach zuviel. Hier ist es Laut und alle kommen sich furchtbar nahe, wenn sie sich was zu erzählen haben. Sie kommt ständig mit ihrem stark geschminkten Mund an mein empfindliches Ohr und sagt diesen einen blöden Satz: „Du musst mehr lächeln.“ Damit hat sie schon viel zuviel gesagt. Und sie wird nicht müde, es immer und immer wieder zu sagen, zu erzählen, zu erklären oder gar zu singen. Ihr ist das Schweigen zwischen uns unangenehm. Ich empfinde es als entspannend. Es ist laut hier, verdammt noch mal. Und dunkel. Halt die Klappe, mich sieht sowieso keiner. Ich werde also mit ihr Tanzen, dann ist sie hoffentlich ruhig.

Doch was macht dieser kleine, schrumpelige, rote Mund? Sie geht Cocktails holen. Wir tanzten gerade und jetzt lässt sie mich allein. Ich lächle. So was habe ich nicht erwartet. Ich tanze zurück zu meinem Wodka Lemon und denke darüber nach, einen neuen zu bestellen. Einen brandneuen Wodka Lemon. Ganz ohne aufgequollene Kippen, die völlig ausgebrannt in der Mitte des Glases herumschwimmen. Vielleicht bringt der rote Mund mir einen Cocktail mit. Ich bin kein Cocktailtrinker. Brächte sie mir einen mit, ich würde ihr sagen, dass ich Cocktails auf den Tod nicht ausstehen kann. Ich könnte ihr einen Vorwurf machen, dass sie mich auf der Tanzfläche allein gelassen hat. Sie würde sagen, dass sie uns doch nur was Leckeres zu trinken holen wollte. Ich hätte kein Verständnis dafür. Danach wäre ich wieder etwas netter. Was für ein Abend.

Später könnte ich sie mit nach Hause nehmen. Ein paar Wodka Lemon noch, und noch ein paar widerliche Cocktails und Wodka Redbull für sie, und das wär´s. Ich würde lächeln, nur um sie glücklich zu machen. Danach könnte sie mich glücklich machen. Ich hoffe, sie kann. Noch ein paar Wodka Lemon. Und noch ein paar. Tanzen werde ich sicher nicht mehr.

Da stehe ich nun, mit meinem Glas in der Hand und nichts passiert mir. Ich stelle mich ins Licht und lächle, doch so betrunken wie sich bin, sehe ich eher aus wie der Dorftrottel, der von der Unterwäsche seiner Schwester träumt. Keine andere beißt an. Der rote Mund wird heute Abend endlich seine Chance bekommen. Ich werde sie zum lächeln bringen. Die Chancen dafür sind recht gut. Ich weiß, dass sie scharf auf mich ist. Diese Andeutungen. Diese Blicke. Jeder Mensch sieht besser aus, wenn er lächelt. Sie wollte mich lächeln sehen und das werde ich ihr bieten. Ich werde bei ihr leichtes Spiel haben. Ganz ganz leichtes Spiel. Gott, hab ich einen Steifen.

Auf der Tanzfläche eiern nur noch ein paar lahme Gestalten. Die Nacht wird furchtbar einsam sein. Mein Wodka Lemon ist schon fast wieder leer und ich ziehe triumphierend an den Tänzern vorbei. Hinten, im dunkleren Eck ist diese blöde Cocktailbar. Dort wird sich der Rote Mund ordentlich was gegeben haben. Cocktails und Weibergetratsche. Kein Mann kann so was ertragen. Ich hol sie da weg. Es ist Zeit, dass ich ihr endlich das gebe, worauf sie die ganze Zeit gewartet hat. Wo steckt sie bloß?

Ob ich einen Cocktail will, werde ich gefragt. Das ist schlimmer als Du musst mehr lächeln. Ich lächle und lehne ab. Wo steckt sie? Viele Leute sind nicht mehr da. Ein paar trübe Tassen hängen apathisch am Tresen. Ein paar sitzen an den Tischen. Langweilig. Aber sie ist weg. Mein Wodka Lemon sorgt hier für aufsehen. Neben den schwulen Cocktailgläsern sieht mein Wodka Lemon besser aus. Kraftvoll. Einfach. Solide. Ficken will ich. Sie bräuchte mir noch nicht mal einen Blasen. Ich setze mich kurz an die Bar.

Links, ganz hinten links wird ein Plätzchen frei. Zwei dicke Mädchen stehen auf und nehmen ihre Handtaschen. Währenddessen reden sie. Quaken wie zwei fette Gänse, die frisch für den Weihnachtsabend gemästet wurden. Keinen abgekriegt. Die zwei Rollmöpse kullern aus dem Weg und im Hintergrund erkenn ich den roten Mund. Er wird geküsst. Abgeleckt. Jemand steckt seine Zunge hinein. Ein Mann. Ein vollkommen anderer Mann als ich. Sie lächelt. Ich könnte heulen. Wodka Lemon betäubt mich nicht genug. Ich spüre da was: Leere. Gähnende Leere. Ich bestelle noch einen Wodka Lemon und schmuggel’ ihn irgendwie an dem Türsteher und an der Kasse vorbei nach draußen. Auf dem Weg nach Hause versuche ich an was Abartiges zu denken. Tote Fische. Ein Leben in der Kanalisation. Fette Gänse mit umgedrehten, schlaffen Hälsen. Ich krieg den Ständer nicht weg. Mehr Wodka Lemon. Ab zur nächsten Tankstelle.

 

  1. [...] Wodka Lemon An etwas Abartiges denken. Tote Fische. (tags: Ansichten) tags:/ [...]

  2. Ne das gibt keinen sinn