Weißt du noch wie´s früher war? Und wenn ich von früher rede, ist das noch gar nicht so lange her. Früher hingen wir albern auf dem Spielplatz rum und das schlimmste was wir taten war, den Namen der derzeitig Schönsten ins Klettergerüst zu schnitzen. Oder, wenn´s keine Schönste gab und unsere lächerlichen kleinen Herzchen sich zerfressen anfühlten, da wir abermals vermöbelt wurden, vom Schulrowdy nummer eins oder einfach nur vom Arschloch von Nebenan, oder gar vom eigen Fleisch und Blut, ritzten wir eben deren Namen dort ein und dazu noch irgendeine Gemeinheit. Ein fieses Gerücht über das alle lachten und weswegen man ein paar Tage später wieder Schläge kassierte. Manchmal bekam man aber auch die Hucke voll von der derzeit schönsten, weil sie ja wie immer viel älter war als man selbst und sie die Peinlichkeit nicht ertragen konnte, dass ein verpickeltes Etwas seine Zuneigung zu ihr bekundete in dem es in ein öffentliches stück Holz einritzte, was nach seiner Meinung eigentlich jeder wissen sollte: Peter + Jana (oder so).
Wenn heute ein Messer auf einem Spielplatz gezückt wird, dann offenbar nicht um irgendwelche Hölzer damit zu verschönern. Auf dem Spielplatz in der Nähe schauen ganz gern mal die Gesetzeshüter vorbei um bei den Kleinen für Ordnung zu sorgen. Da stehen sie in ihren Erfurchteinflössenden Uniformen und müssen sich von ´nem zehnjährigen so Sachen sagen lassen wie: “Ja und, was willste jetzt machen, alter?” Wie wäre es, wenn ich dir mit dem Vollgepissten Sand mal kräftig die Zähne putze und danach gehen wir zu deinem Papa oder deiner Mama oder deinem Heimleiter und hängen sie/ihn Kopfüber von der Brücke mit der Aufgabe solange aus dem Kanal zu saufen, bis sie/er kotzen muss! Natürlich hängst du daneben, du winzig kleines Geschwür am Arsch einer Menschgewordenen Hämorrhoide!
Nein, so darf man mit Kindern nicht reden. Aber wenn sie doch keine Kinder mehr sind? Sie gröhlen wie ihre besoffenen älteren Brüder und reden als hätten sie verfickt noch eins zuviel dreckige Scheiße aus dem verhurrten Internet gelesen. Woher haben die das bloß? Neulich schlich ich klein und ängstlich an besagtem Kinderspielplatz vorbei. Es war sehr laut auf dem Amüsiergelände, und ich riskierte einen Blick: Ein hässliches Balg war auf das Dach eines völlig bescheuerten Konstruktes geklettert (kein Kind auf der Welt weiß, was es in diesem Ding eigentlich anstellen soll), und brüllte nun nach Herzenslust Dinge, die ich nicht einmal zu meiner Freundin sagen dürfte: Lutsch meinen Schwanz, du dreckige Fickfotze (ich bin mir der Konsequenz dieser Worte ganz genau bewußt – die Anzahl der Besucher die regelmäßig unter ihrem Schreibtisch abspritzen wird sich wieder erhöhen). Das hat dieser kleine Bengel nicht einfach nur so gerufen (und alle anderen haben´s natürlich nachgemacht), er hat es immer wieder fast gesungen. Ich wollte schnell sie Supernanny engagieren, dass sie ihn ordentlich vermöbelt, doch das wäre nicht up to date. Ich könnte ihn in seiner eigenen kleinen Wuthöhle vergraben, dachte ich, oder ihn von der stillen Treppe schubsen.
War ich früher etwa auch so? Ein Kind verdorbener Eltern? Ich überwand meine Angst und lief unbemerkt an den vielen kleinen Monstern vorbei, die sich vor dem Gerüst um den Schreihals versammelt hatten, den nächsten zwei Polizisten direkt in die Arme. Ich rief laut: Da sind die Übeltäter, schlagen sie sie zusammen. Und sie taten es. Und ich, und die Urgroßmutter, die die grünen Männer gerufen hatte, klatschten high-five-mäßig ab und gingen unsere geregelten Wege.





Schön hast du das dämliche Gebaren der heutigen Früchte diverser degenerierter Lenden wieder mal beschrieben. Und sehr realistisch, leider. Und ich muss jetzt einfach damit raus, abgedroschen zwar, aber mitnichten veraltet: “Und die sollen mal unsere Rente bezahlen”. Nur gut, dass es sowieso keine Rente mehr gibt. Sonst sähe ich schwarz, tiefschwarz.