Du arme Sau wirst doch eigentlich nur aus dem Schosse deiner Mutter geholt um die nächsten paar Monate die saugfähigsten, aber dafür auch teuersten Windeln vollzukacken, die sie finden konnten. Und davon klatschen sie dir eine nach der anderen auf den Arsch und wünschen dir gutes Gelingen. Und später gehts nur noch ums Essen, Waschen und Angeben. Irgendwann findest du heraus, dass du entweder sofort wieder in die Mutter zurück möchtest, oder aber du sehnst dich nach einer perfekt sitzenden Pampers, oder du blickst der Wahrheit in ihr verlogen zusammengekniffenes Auge und siehst ein, dass du nur auf dieser Welt herumwandeln darfst, weil du wie ein verrückter konsumierst. Du hälst die Welt am Leben, im Gleichgewicht meinetwegen, weil du viel arbeitest und dein ganzes Geld für irgendeinen Müll verballerst den deine Freunde schließlich schon längst zu Hause haben, du Außenseiter! Jeder hat dieses Problem von irgendwelchem überflüssigen Trödel in seiner Welt. Aber was sollte man ohne diesesn ganzen Kram auch sonst machen?
Brauche ich zum Beispiel ein Handy? Nein! Habe ich eins? Ja! Sogar ein recht gutes. Allein das mitzuteilen, erfüllt mich mit Freude. Ich, der ich hier sitze, vor meinem Notebook, dass ich eigentlich auch nicht bräuchte, besitze ein gutes Handy. Zumindest sagen alle, dass es gut ist. Andernfalls hätte ich es ja nicht gekauft. Aber ganz so gut ist es dann doch nicht. Ich will ja noch mehr. Was macht zum Beispiel ein Handy für einen Sinn, wenn man damit keine Musik hören kann? OK, daran wird gearbeitet. (Ich lebe übrigens nicht hinterm Mond, mein Handy kann bis zu 4 GB Musik speichern, aber das ist mir einfach noch verdammt nochmal zu wenig!! Ich verstehe ja, wenn einem 4 GB reichen – mir reichen sie nicht und ich bin schließlich was besonderes).
Ich möchte mit meinem MP3 Spieler telefonieren. Kann ich auch bald, sagt man, aber auch nur mit max. 8 GB Speicher. Tja, ich will gar nicht telefonieren, ich will eigentlich nur Musik hören. Wenn ich mit einem 80 GB MP3 Player herumlaufe (natürlich ist es der iPod, schließlich ist Apple die coolste Firma die ich kenne und wer das Gegenteil behauptet ist ´ne halbe Hose), dann fehlt mir irgendwie das Gefühl telefonieren zu können. Ich weiß, dass ich die Anrufe unterwegs sowieso nie höre, da mein Handy immer viel zu leise eingestellt ist und ich nicht weiß wie es lauter geht. Immerhin kann ich von unterwegs zurück rufen. Und was ist, wenn ich auf einer von Gott verlassenen Straße eine Panne habe? Ich könnte einen Anruf machen und mich danach gepflegt in meinen Sitz kuscheln und das neuste Video irgendeiner gerade hippen Band genießen, bevor sie nach vermutlich max. zwei Songs für immer von meinem 2,5″ Farbdisplay verschwindet. Oder ich höre drei Songs von Coldplay und bin danach über das gesamte repertoire dieser genialen Musiker im Bilde. Wofür brauche ich eigentlich 80 GB, bei so viel beschissener Musik in letzter Zeit? Ab jetzt lade ich mir nur noch alte Musik auf mein Telefon und schwelge in alten Zeiten und wehe, mich ruft plötzlich einer an.
Ich kaufe gern. Bücher zum Beispiel habe ich haufenweise (natürlich liegen sie nicht auf einen haufen, oder so), aber auch nur deswegen, weil es sie zu kaufen gibt.Würde es einen großen Zauberbuchladen geben, der alle seine Bücher verschenkte, ich ginge mit leeren Händen wieder nach Hause. Ich muß diese verdammten Bücher kaufen!! Wenn alle wüssten, dass sie umsonst waren, was soll dann der ganze Quatsch eigentlich? Und teuer müssen sie sein. Billige Taschenbücher kommen mir nicht aufs Regal. Mein Besuch soll denken, ich sei der perfekte Telefonjoker für „Wer wird Millionär“, obwohl ich tatsächlich keine Ahnung habe, aber die sind alle so blöd, die schaffens niemals bis zum Jauch. Würde wirklich jemand Bücher verschenken, ich wäre nicht dabei. Es sei denn, es wäre Geheim. Wenn niemand wüsste, dass ich für die ganzen wertvollen Bücher, die ich nie lese nicht einen Cent bezahlt hätte, das ginge doch irgendwie in Ordnung. Obwohl, könnte ich das mit mir selber ausmachen?
Dieses Gekaufe und Wichtiggetue und diese Angeberei knabbern an einem mehr, als einem eigentlich lieb sein dürfte. Während sich auf meinem Schreibtisch diverse iPod-Modelle tummeln (ich bin übrigens nicht so reich, dass ich mir dauernd den neusten iPod leisten könnte, dass habe ich mit den Crack-Süchtigen vom Bahnhof gemeinsam) träume ich lauthals Dinge, die ich im wachen Zustand sicherlich nicht aussprechen würde, einfach weil mir der Zugang zu ihrer Bedeutung verwehrt bleibt, obwohl sie aus meinem eigenen Kopf stammen: Hast du schon die iPod´s rein geholt? Hol die iPod´s rein, es wird kalt heute Nacht! Und draußen stürmt es tatsächlich und es ist eiskalt und neben mir im Bett liegt die allerliebste mit einem Gesicht in Frageform, während ich mich auch noch bei ihr entschuldige. (Ich entschuldige mich nie, wenn ich wach bin). Was hat dieser Konsumterror aus mir gemacht? Die iPod´s müssen rein, es ist kalt – bedeutet vielleicht dass ich sie beschützen möchte, meine Babys. Vor dem Terror da draußen und der Tatsache dass man ihnen vor wirft so schnell alt geworden zu sein. Ich zum Beispiel bin nicht so alt wie man ihnen glauben machen will, dass sie es seien. Ich befinde mich noch nicht in eine Art Auffanglager in dem ich versorgt werde bis mein Akku nicht mehr kann. Ich funktioniere noch, also mache ich auch weiter und renne hinaus um zu kaufen wie ein blöder und vor aller Augen zu sein wie man sich heutzutage einen Menschen vorstellt, der einem überlegen zu sein scheint. Die iPod´s stehen da, die alten, auf meinem Schreibtisch und genießen ihren Lebensabend während ich mich jeden Tag auf´s neue durch den Regen und die schreckliche Kälte kämpfe, durch dumme Bemerkungen und vorbei an fragwürdigen Wertvorstellungen um weiter kaufen zu können. Wie lange soll das noch so gehen?
Irgendwann muß man doch alles haben was man sich wünscht. Irgendwann komme ich noch dahin, dass ich nicht mehr nur kaufe weil ich es einfach so tun muss, sondern weil es notwendig ist. Gott hat uns zeugungs- und gebährfähig gemacht, damit wir, kurz bevor wir den Kampf gegen den Konsumterror auskämpfen können, von wichtigeren Sachen abgelenkt werden. Und vielleicht haben wir das Gefühl, das iPod´s gar nicht mehr so wichtig sind, was an sich vollkommen richtig ist (für jemanden der nicht ich ist). Aber dafür wandelt sich das ganze wunderbar zu verschwendene Geld in Baby-Zubehör um (wie beim iPod wird auch hier das Zubehör nicht mitgeliefert). Manche Leute beschränken sich ja genau deswegen ihr Leben lang auf den eigentlichen Zeugungsakt, der dadurch natürlich seines Namens nicht mehr würdig ist.
Wer sein Lebenlang dem austausch leicht köchelnder Körperflüssigkeiten hinterher jagd, immer schön jeder mit seinen eigenen weissen Ohrhörern in den Lauschern, muss ja tatsächlich ein totlangweiliger Mensch sein. Das wäre so, als hörte man immer nur Coldplay auf seinem iPod. Die Lieder unterscheiden sich ja schon ein wenig. Aber bloß nicht zuviel. Und genau wie beim hören von U2 oder Oasis fragt man sich irgendwann: Gibts sonst noch was? Ja, sagt man da! Ja verdammt, da gibts noch was. Aber wenn ich wirklich wüsste was das sein könnte, müsste ich nicht andauernd auf den neusten iPod warten, oder mir Bücher kaufen, die ich in tausend Jahren nicht verstehe.





Herr Hoffa.
Der erste Absatz hat Kraft. Die bekommt man beim Lesen richtig um die Ohren gehauen. Oder mittenrein! Zwischen die Ohren.
Sie hätten beim ‘Du’ bleiben sollen. Finde ich.
„Brauchst Du zum Beispiel ein Handy? Nein! Hast Du eins? Ja! Sogar ein recht gutes. Allein das mitzuteilen, erfüllt Dich mit Freude…“
Egal. War trotzdem schön zu lesen. Beeindruckend, ist vielleicht nicht das passenste Wort, aber das Erste welches mir dazu einfällt.
Sie haben recht! Allerdings würde ich es nur für den zweiten Absatz gelten lassen. Vielen Dank für´s nette Feedback.
Fange an, mich warm zu lesen.