Das Volk soll wieder lachen. Jedenfalls mehr, als es eigentlich zum lachen hat. Wir müssen wieder positiver werden. Hört doch mal auf zu heulen. Das Wetter? Ach ja, das liebe Wetter. Macht doch mal nicht so´n Wind um so ein bißchen Regen. Es ist Winter. Schade, dass es keinen Schnee gibt. Weiße Weihnacht und so. Und wenn der Schnee da ist, oh nein, gleich hat er die ganze Welt unter sich begraben. Und der Strom ist auch noch weg. Scheißdreck. Der Schnee, der Schnee. Und die Arbeitslosen. Und die Mehrwertsteuer. Und alle sind doof, aber man sagt zu Weihnachten sicherheitshalber, dass man ja eigentlich keinen doof findet. Sonst wird das Christkind böse. Und wenn der Strom wieder ausfällt, ja dann gute Nacht. Was dann wird, weiß niemand. Wir deutschen sind mal wieder alle zu blöd, besonders die anderen und auch du, obwohl man sich trotzdem auch gerne mal eingesteht, dass man es immer noch besser getroffen hat, als ein schäbiger Arbeitsloser, der sich von ´nem fetten, hässlichen Politiker einen langweiligen Job anbieten lassen muss. Und das auch noch während der Weihnachtszeit. Arme Sau.
Zum Fest gibts erstmal ein wenig Weihnachtsromantik. Der gefürchtete Schmalz. Aber in echt. Bloß nichts geqirltes, an den Haaren herbeigezogenes. Kann man also bitte den Fernseher für diese Zeit abgeschaltet lassen? Zumindest Jahresrückblicke bitte nur noch ohne Ton anschauen. Und noch besser ohne Bild. Bitte keine vorgekauten Emotionen mehr. Nicht alle sind depressiv. Denkt doch mal an was ehrliches. Freut euch auf den warmen Tee oder Kakao und den kalten Schnee und die hellen Nächte wenn sich die weißen Felder erstmal vor eurem Fenster ausbreiten. Ihr werdet schon sehen. Diese herrliche Ruhe. Jeder braucht mal Pause. Aber immer hört man hier und da die Stimmen: Weihnachten ist verlogen. Wir heucheln uns gegenseitiges Verständniss und Interesse vor. Ach? Etwa nur um diese Zeit des Jahres? So ist es doch die ganzen zwölf Monate über. Man könnte meinen, man übt während des ganzen Jahres, um für Weihnachten mit genügend Heuchelkaltblut gerüstet zu sein. Wer Weihnachten für verlogen hält, der weiß offensichtlich nicht wie sehr man sich das ganze Jahr durch niedrigste Verlogenheitsetappen kämpfen muß. Wenn man sie denn überhaupt noch erkennt. Nur jetzt am Jahresende glaubt er, sein Argument wirkungsvoll hervorbringen zu können: Vor dem Fest wünschen sie dir Frohe Weihnachten und nach den Feiertagen treten sie dir wieder rücksichtslos auf die Finger. Das kann man sehen, wie man will. Vor dem Fest ist nach dem Fest und vor allem anders herum. Blödmann. Weihnachten ist kein Stück verlogen. Die Leute rennen wie die bescheuerten in die Geschäfte und investieren ihr verlogenes Geld um sich wenigstens an einem Abend des Jahres zu fühlen, wie sie sich das ganze Jahr nicht fühlen konnten. Naja, vielleicht ist es doch ein wenig verlogen. Aber halt nur ein wenig. Es ist ja schließlich Weihnachten.
Aber braucht man nicht irgendwann mal einen Dämpfer zwischen sich und der Realtität? Zwischen sich und dem immer seltsameren Wetter? Zwischen sich und den anderen? Unterm Weihnachtsbaum sitzt man vielleicht nicht so gern allein, aber man findet doch sicher eine Gelegenheit zwischen den ganzen „Nettigkeiten“ mal hübsch die Schnauze zu halten und darüber nachzudenken, was für eine Pfeife man war oder für was für einen Supertypen man sich in der letzten Zeit gehalten hat. Muß das so weiter gehen? Oder wird es überhaupt so weitergehen? Und wenn man sich noch tausend mal fragt, die Antwort kennt nicht mal mehr der dicke, pausbäckige Coca Cola Weihnachtsmann. Der grinst auch nur noch wegen zuviel Zucker im Hirn. Einzig das Christkind trollt sich hier und da und freut sich, weil es alles weiß. Aber es sagt nichts. Es deutet nur an. Alles wird gut.




