Wenn deine Welt nicht mehr ausreicht, dann benutz doch einfach...

Schwere Emotionale Probleme

In Arschgeigen, Blogs, Konsum, Prominente on 13. November 2006 at 21:28

Blogs lesen finde ich mittlerweile höchst angstrengend, da ich mich ja grundsätzlich für niemand anderes interessiere, als für mich selbst. Als ich angefangen habe, mich mit Blogs zu beschäftigen, war ich noch neugierig und habe versucht zu ergründen, wer hier wie wichtig ist und was alle anderen von ihm halten. Mittlerweile ist es mir vollkommen wurscht ob da nun ein ausgewachsener Journalist regelmäßig und kostenfrei seine Meinung auskotzt um seine Jünger zu beglücken, oder ein fleischgewordener Flachwichser seiner Selbstdarstellungsucht talentfrei hinterherhechelt. Das solche Leute große Fangemeinden haben ist halt nichts neues. Man trifft sie wieder, die Vollpfosten von der Straße, die was auf sich halten und dich in ihren hochpolierten Autos schneiden, weil sie ihre frisch angewichsten Schuhe einfach nicht vom Gas kriegen. Jene Einzeller landen heutzutage auch gerne mal im Fernsehen, wo die kreativität genau aus diesem Grund schon seit Jahren schmerzhaft vermisst werden darf. Neuerliche Weichbrote die als Sänger oder Schauspieler von sich reden machen wollen, reden mittlerweile nur noch vom Buiseness, können aber nichtmal Blues von Jazz unterscheiden oder sind schon unglaubwürdig, wenn sie vor der Kamera ein Ei aufschlagen müssen. Subkreative Einsätzler halten sich in ihren Soaps für große Nummern und wagen es auch noch, ihr Handwerk als Kunst zu bezeichnen.
Bald wird der erste Blog-Star in die nächst größere Stufe der Prominenz abkommandiert, mal um was neues auszuprobieren, aber es fragt ihn mal wieder keiner, ob er denn was neues hat, oder ob er wenigstens was Altbewertes originell präsentieren kann. Und anstatt zu kritisieren und auch einfach mal was blöd finden, überlegt man heutzutage ganz genau, ob man da nicht doch besser mitmachen sollte. Blöd finden war gestern, heute sind wir alle blöd. Weniger denken macht Sinn, denn das Leben wird nicht vom denken besser. Taten müssen her. Also, eine Anmeldung bei Bohlens Sängerquatsch, bei dem dicken DEE mit der fürchterlich aufdringlichen Fresse eines Breitmaulfrosches oder gleich zu Brittfick am Mittag, wahlweise mit oder ohne Kleidung. Kaum jemand hat noch irgendwas originelles zu bieten, da liegt es doch nahe, dass alle einfach mal für ein paar Minuten die Schnautze halten und über sich selber nackdenken.

Vorerst aber eiern sie alle im Internet rum und geilen sich auf und tanzen und singen auf unterirdischstem Niveau und lachen dabei, bis dass Gehirn verkrampft. Die Folge: Noch mehr Videos bei YouTube. In der Realität, wo man mit seinen schweren emotionalen Problemen tagtäglich konfrontiert wird, hätte es dafür schon längst was auf´s Maul verdient. Im Internet eigentlich auch. Nur versuchen die Leute in den Blogs, Foren oder sonstiges sich natürlich nicht an schallenden Ohrfeigen für ihr ausgewähltes Opfer, sondern sie ergießen ihren flüssigen Stuhl in den Kommentaren und haben dabei ein Gefühl von… was weiß ich… höchster Befriedigung? War doch nur Spaß, heißt es gerne, ist doch nur Internet, oder regt euch nicht auf. Das Internet ist so schön leise, da regt sich doch niemand wirklich auf.

Der Mensch an sich scheint relativ doof zu sein und durch die Möglichkeit, sich von seinem kleinen Zimmerchen aus in die ganze Welt zu produzieren, werden hirnlose Arschlöcher die was auf sich halten zu skrupellosen Muttersöhnchen, die sich in schwachen Momenten hinter verschlossenen Türen an Autofelatio versuchen. Was kann es schrecklich schöneres geben? Das ganze muß nur noch gefilmt werden, für YouTube (aber sichert euch vorher die Rechte an Autofelatio) oder MyVideo, per Fotostrecke bei flickr und als Podcast, mit einer ausführlichen Szenenbeschreibung vom besoffenen Kumpel, der sich dabei den schmalen Arsch ablacht. Verfickt, werden sich Mutti und Vati denken, wenn sie ihren Sohn online beim ejakulieren in den eigenen Hals sehen und hören, verfickt haben wir uns da, aber gewaltig.

All comments are screened for appropriateness. Commenting is a privilege, not a right. Good comments will be cherished, bad comments will be deleted.