“Geh mal kacken” sind Worte, die einem als Hete auf einer Schwulenparty schwer zu denken geben. Im nächsten Moment beobachte ich, wie der gute Mann mit der betont weichelnden Stimme sich auf die leicht erhöhte Tanzfläche schwingt und zur Begrüßung jedem Tanzkasper in Reichweite freundlich in den Schritt greift. Ich versuche schon seit geraumer Zeit nicht jedes Klischee zu glauben, das man hier und da eingetrichtert bekommt. Jetzt stehe ich gerade mitten in einem. Ich könnte von jetzt auf gleich auf´s Klo und mich bei sperrangelweit offener Tür rücklinks vernaschen lassen, ich wäre hier und heute nicht der erste, wie ich bereits beobachten durfte. Sowas schüchtert die kleine doch Hete ein.
Ich beschließe zum Kacken nach Hause zu gehen und bahne mir meinen Weg an den knutsch-fummelnden Jungs vorbei bis zur Treppe. Dort werde ich rau angequatscht mit den Worten “Was willst du denn hier?” Ein recht großer Typ im Feinripp-Unterhemd, mit engen Jeans und Westernstiefeln. Die Jeans trägt er in den Stiefeln und zur Dekoration hat er sich mit zwei weissen Nietengürteln behängt. Die eine Hälfte seiner Frisur hat er Pechschwarz gefärbt, die andere Seite komplett abrasiert. In seinem Arm hält er einen Typen, von dem er sich seine diversen Piercings im Gesicht anknabbern lässt. Wie ich bemerke, dass ich ihn nicht kenne, antworte ich ” wollte gerade gehen”, und versuche mich möglichst schnell an ihm vorbei zu schlängeln. “Ist auch besser für dich, ist hier keine verschissene Hetenveranstaltung”.
Klingt lustig, sieht aber nichtmal halb so lustig aus. Ich hatte hier und da schon mal leichte Kontaktprobleme und jedesmal hatten die Affen diesen schäbigen, hinterhältigen Blick in den Augen, bevor ich die Hucke voll gekriegt hab. Unangenehm, wie der sich mein Gesicht versucht einzuprägen und deswegen sprinte ich auch so gut es eben geht die Treppe hinunter, um möglichst unbeschadet hier raus zu kommen. Vielleicht ist´s ja auch eine grobe Fehleinschätzung von mir, diese Schwulen sollen ja immer sehr humorvoll sein. Aber vielleicht ist auch das wieder ein blödes Klischee aus dem Fernsehen. Ein kurzer Blick zurück verät mir, der macht keine Scherze. Wenn der mal lacht, dann sicher nicht mit mir. Höchstens über mich. Er starrt mich weiter an. Sein Kumpel knabbert. Und seine Bauarbeiter-Pose sieht aus, als wolle er mich wie einen haufen Sand aus dem Weg räumen. Ich bin schon weg.
An der frischen Luft denke ich, bin ich gerade sowas wie diskriminiert worden? Als einziger Hetero auf einer schwulen Veranstaltung mit dem Titel “Emergency”? Auf der HipHop-Party nebenan, wo sich die albernen Ghetto-Kids aus den umliegenden Dörfern für Farbige Gangsta-Rapper halten, hätte ich garantiert auf´s Maul bekommen. Und diese Heavy-Typen, aus Halle Nummer 3 gehen auf jeden los, der weniger Narben im Gesicht hat als sie selber. Alles Klischees, ich weiß. So sind die gar nicht. Niemals. Später sagte mir eine Freundin, jaja, die Schwuppen sind so…
Die Schwuppen? Ach?!?




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