Warum jagt der Hund seinen Schwanz? Weils Spaß macht. Ich füttere dieses Blog hin und wieder mit einer etwas derben Wortwahl. Daraufhin kackt es mir Suchbegriffe aus, die viel überaschender sind, als erwartet. Und manchmal nehme ich dieses bruchstückhaft Ausgekackte und gebe es ihm wieder zu fressen…
1. Schwanz im Arsch: Für viele ein netter Zeitvertreib, doch bei Arschbluten nicht jedem zu empfehlen.
2. Riesenschwanz im Arsch: Ich bin sicher, es ist alles eine Frage der Dehung. Irgendwo in den Weiten dieses schönen Landes, nicht zuletzt auch mit Hilfe des Internets bietet jemand teure, aber wirkungsvolle Kurse dafür an.
3. Verkatert: Schwänze in Ärschen sind für viele sicherlich nur mit viel Alkohol zu genießen. Einerseits kann einem keiner sagen, man hat’s nicht versucht, andererseits hat man wenigstens am darauffolgenden Tag einen Grund zum Aussetzen.
4. Ich ficke meine geile Frau auch wenn sie: … nicht will? … schläft? … fast verblutet?
5. Wie mache ich Musik in iPod rein: Also, du legst iPod direkt vor dir auf Tisch, flache, rechte Hand mit Innenseite nach oben direkt daneben. Dann legst du CD mit gut Musik in Hand. Holst du einmal tief Luft… und mit soviel Kraft wie du hast lässt du Hand mit CD blitzschnell in iPod rein krachen. Zack, CD drin. Musst du flink sein und viel Kraft haben, sonst geht nix. Kannst du natürlich auch Anleitung besorgen, wo genau das steht, was ich gerade gesagt habe. Nur anders.
6. Sack wurde zugeschnürt: Ganz zu? Wahrscheinlich auch besser so.
7. Bumsgeschichten: Einmal bumste ich mit dem Kopf gegen die Wand. Mein Nachbar bumste sofort zurück, da er dachte ich wolle ihn ärgern. Dann bumste ich wieder gegen die Wand, diesmal mit voller Absicht. Dann bumste er seine Frau gegen die Wand, ungefähr ein paar Hundert male, die nächste halbe Stunde. Sie schrie dabei ganz laut. Die haben wohl schlimme Probleme nebenan.
8. Von seiner Freundin den Code in den Mund: Man nimmt nicht einfach so den Code seiner Freundin in den Mund. Es sei denn, sie will es unbedingt.
9. Olli fragt schwul: Schwul ist keine Frage sondern unheilbar.
10. Mein ex schwanz: Wenn er irgendwann abfällt werde ich ihn in einem Glas im Kühlschrank direkt neben den Gewürzgurken aufbewahren.

Kennt jemand den Biography-Channel? Zwischen ein paar interessanten Beiträgen werden die großen „Stars“ aus Film und Fernsehen regelrecht heilig gesprochen. Vorsicht! - Hirnfresser sind da unterwegs.

Neulich hat jemand zu mir gesagt, er vergesse dauernd Sachen und er wisse auch gerade nicht, wie er seinen DVD-Rekorder programmiert kriegt, aber deshalb hört er noch lange nicht auf zu Saufen, die wichtigen Hirnzellen wachsen ja sowieso immer wieder nach. Die Zeit heilt also doch alle Wunden. Ich saufe nicht, oder selten, meine Hirnzellen sind also alle noch da. Vielleicht ist es an der Zeit sie zu erneuern, denn nach der jüngsten Erkenntnis über mich selbst bezweifel ich, dass ich mir jemals wieder trauen kann.

Ich schaue also den Biography-Channel, in dem es die nächste Dreiviertelstunde um Frau Lavigne gehen soll. Sie gibt ein paar ihrer hübschen Kinderlieder zum Besten und wird zwischendurch interviewt. Ihr Auftritte mit Band sehen ungefähr so aus: Der Drummer vermittelt den Eindruck eines Profialkoholikers auf frischem Entzug und sieht aus wie eine Mischung aus „The Prodigy“ und „Red Hot Chilli Peppers“. Sein Zittern hält er professionell im Zaum, wenn der denn gleich endlich mal wieder was Schnelleres spielen darf. Entweder dass, oder er springt Frau Lavigne von hinten an und versucht ihr die Zunge zwischen die Backen zu schieben, die sie vermutlich, genau wie ihre Augen bei dem Lied fest zusammen presst. Von zwei Gitarristen singt einer zusammen mit dem Keyboarder den Backround, der andere Mann an den Saiten droht vor Langeweile einzuschlafen, und zwar während des ganzen Auftritts. Vermutlich kann er mehr, wird aber gut bezahlt. Der singende Klampfengockel ist, genau wie die Chefgöre selbst schweinemäßig ergriffen von den schmerztriefenden und doch vollkommen sinnlosen Texten aus dem Rock und Pop-Phrasen-Katalog ihres Produzenten und den drei Akkorden, die ganz früher für ihn sicher eine harte Nuss waren, doch jetzt ist er ja Profi und benutzt ein Effekt-Gerät, von dem Avril immer noch glaubt, dass es ihr einmal einen Heiratsantrag machen wollte, aber dann gekniffen hat. Es darf trotzdem noch mit auf die Bühne.

Im Interview wird ihr, wie Vertraglich vereinbart, von der dumpfbackigen Moderatorenschnalle kräftig Zucker in den Allerwertesten geblasen (den Drummer hälts kaum noch auf seinem Sitz) und ihre „Erfolge“ werden der Reihe nach runter gebetet. Im Grunde genommen geht’s drum, wie viel Geld sie den arglosen Teenies rund um den Globus schon aus den Taschen geleiert hat. Verpackt mit einem breiten Grinsen fressen die sowieso alles und feiern hübsch weiter mit. Bevor das ganze überhaupt als vollkommen Sinnloses Unterfangen entlarvt werden kann, denn Frau Lavignes Antworten auf die Standard-Fragen sind noch schlichter, als das aufregende Gedankengut des großen Podolski, gibt es schon wieder was Neues zu vermelden, von der unglaublich begnadeten Künstlerin: Ein Comic. Ein Manga. Niemand kennt seine Zielgruppe besser. Gott ist die Kreativ. Wie kommt sie bloß immer auf so tolle Sachen, wird sie gefragt. Tja, sagt sie, ihr Produzent hat gesagt, diese Mangas wären sehr erfolgreich, sie wusste das gar nicht. Und jetzt hat sie ihren eigenen. Kommt schließlich von Herzen. Und die Kids freuen sich. Wo soll da ein Problem sein? Noch vor ein paar Jahren haben diese Bälger den Weichmacher aus ihren Plastikspielzeugen gelutscht und das hat auch nicht geschadet.

Danach gibt sie „complicated“ oder „skater boy“ zum Besten, ich weiß nicht mehr genau. Als sie für die Manga-Scheiße gefeiert wurde ließ ich einen lauten Furz und der dauerte ganze vier Minuten an. Ich sah nur, wie sie mit rollenden Augen und den Händen in der Tasche am Mikro stand und den Mund aufriss, während der Drummer sein Gemächt mit den Sticks bearbeitete, was ihm sichtlich mehr Spaß machte, als auf der Snare herum zu trommeln. Diese beiden Stücke johlt sie unter anderem auch auf der Konzert DVD „My World“ und ich hätte aufgrund dieses Titels schon ahnen können, dass ich mein Geld damit in eine schreckliche Zeitverschwendung investiere. Allerdings ist das schon ein paar Jahre her. Damals versprach sie einem irgendwie mehr, oder das Licht war besser, keine Ahnung, und ich dachte ich kaufe endlich mal ne DVD, die auch noch ein paar andere Leute in ihrem Schrank stehen haben. Aber jetzt ist mir der Staub lieber, der das Cover bedeckt. Diese Plastik-Songs, die ganz, ganz unbedingt aber auch so überhaupt gar nicht nach Britney klingen sollen, haben ihre Halbwehrzeit schon kurz nach dem halben Intro überschritten. Ich würde mittlerweile sogar so weit gehen Pink dafür zu bezahlen, dass sie Avril den Arsch für diesen ganzen Scheiß versohlt, aber die ist auch nicht besser.

Nach meiner Erkenntnis bin ich ein wenig beschähmt, diesen Müll mal gut gefunden zu haben. Alkohol kann mir da vermutlich auch nicht Helfen. Die Zeit soll mir da mal schön zu Seite stehen. Zurückblicken macht ja bekanntermaßen sowieso keinen Sinn.

Ich werde nicht einmal Profit daraus schöpfen, Avril aus meinem Haushalt zu entfernen. Kein ebay. Nachdem ich entgegen jeder Art von Verkaufskunst das Produkt Avril Lavigne schön schlecht gemacht habe, biete ich nun folgendes an: Wer mir unter dem Stichwort „Avril muss weg“ ein oder zwei halbwegs originelle Zeilen über Avrils Sangeskunst per E-Mail zukommen lässt, kann das Ding Geschenkt haben. Ich zahle sogar das Porto und putze auch vorher den Staub runter.

Madonna ist großartig. Seit mehreren Jahrzehnten gilt sie als absoluter Superstar und mischt natürlich immer an der Spitze der Charts mit. Sie ist in der Rock’n Roll Hall of Fame. Sie ist die Queen of Pop. Keine Frau hat bisher das erreicht, was sie erreicht hat. Sie ist genial. Jennifer Lopez oder Shakira können ihr nicht das Wasser reichen. Sie ist wandlungsfähig und setzt immer wieder neue Trends. Ich glaube sogar, dass sie tatsächlich ein Instrument spielen kann. Jeder weiß, wie sie nackt aussieht. Es ist eine großartige Leistung von ihr zu zeigen, dass man als Frau auch auf diese Weise unglaublich erfolgreich sein kann, wer hätte das gedacht. Dazu hat sie zu allen Zeiten immer wieder den Arsch hoch gehalten, gern unbekleidet und vollkommen frei. Ihre Schamgrenze hat sie stets knapp über der von Paris Hilton gehalten, oder eben, da sie ja schon älter ist, über der Amerikanischer Pornostars, und erreichte so von Skandal zu Skandälchen ein einzigartiges Niveau, von Schwulen vergöttert, von Heteros beneidet und in einsamen dunklen Nächten als Vorlage benutzt. Sie hat Maßstäbe gesetzt, als sie sich in ihrem Konzertfilm „In bed with Madonna“ über die großen Schwänze ihrer schwulen Tänzer freute. Später küsste sie Britney und die andere Schnalle bei den MTV-Awards und noch später tanzte sie in einem fast fünfzigjährigen, erstaunlich gut erhaltenen Körper bedeckt von einem schlampigen Siebzigerjahre Ekeloutfit ganz allein vor einem Spiegel.

Die Musik selbst spielt dabei natürlich auch eine große Rolle. Von immer wieder wechselnden Songwritern/Einfallspinseln geschrieben und ihr Gesang selbst bei (Live)-Konzerten gerne vom Band abgespielt, dient sie seit Jahren schon ausschließlich als Trägerfrequenz für die tollen Geschichten über Kabbalakram, sich permanent wiederholende Preisverleihungen, Luxuriöse Gutchi-Spendensammlungen für Malawi, ihre hochinteressanten Filmversuche und das Kunstding „Madonna“ an sich. All dass ist nötig um ein paar Millionen schlichter Fan-Herzen höher schlagen zu lassen, nur damit sich eine versnobte alte Göre ein wenig besser fühlt. Aber privat ist sie bestimmt ganz nett.

Ein Radiowecker ist ein hochkompliziertes Stück ausgeklügelter Technik am Kopfende eines Bettes. Einer Neuanschaffung eines dieser technischen Wunderwerke geht grundsätzlich immer ausführliche Recherche voraus.

Mein Kunde braucht Hilfe, sagt er und ich glaube ihm sofort. Er möchte morgens geweckt werden. Am liebsten mit Musik aus dem Radio, soviel steht fest. Ob ich da was für ihn hätte. Ich geleite ihn zu den zweihundert Radioweckern in der eigens für sie eingerichteten Abteilung und versuche so etwas wie eine Bedarfsermittlung. Wecken soll er. Mehr nicht. Das das mal klar ist. Mir ist das so klar, wie die Diätbrühe meiner fetten Kollegin Arabella, der man, um die Behindertenquote in unserem Haus zu erfüllen ein eigenes, ihr entsprechendes Kassenhäuschen gebaut hat. Aus dem Standard-Häuschen kam sie auf üblichem Weg zuletzt nicht mehr hinaus.

Ich zeige einen einfachen Radiowecker für 29,99. Mein Kunde fragt vollkommen witzlos: “Ja kann der denn auch den Morgenkaffee kochen?” Ja, das kann er. Und mit der Einstellungserweiterung “Sleep Deep” kriegen sie am Abend kurz vor dem Einschlafen noch kräftig einen geblasen. Für Junggesellen oder diejenigen, die es werden wollen. Also, festgestellt dass der Kunde nicht viel ausgeben will und zack, da ist ja noch einer für 19,95. “Aber warum kostet der andere denn soviel, wenn dieser hier auch wecken kann?” Tja, möchte ich sagen, dem fehlt eben die begehrte “Sleep Deep” Einstellung. Tatsächlich kann man bei dem billigeren keine Sender einprogrammieren. “Aber wecken kann der doch auch, oder?” Das ist eine großartige Frage. Kann ein Radiowecker wecken? Ja, er kann. “Und was ist mit dem hier, für 5, 99? Kann der auch wecken?” Ja mein Schatz, er kann auch. “Warum kauft man sich denn so einen teuren, wenn die billigen sowas auch können?” Ich denke an “Sleep Deep” und das er wohl noch nie in seinem Leben einen geblasen bekommen hat. “Gibt halt unterschiedliche Zielgruppen”, sage ich freundlich, zuvorkommend und mit einem Lächeln auf den Lippen. “Und was ist mit dem da?” Sein Finger zeigt auf ein Modell der oberen Klassen. Dieses gottverdammte, heiße Superbaby aus dem glühenden Schlund der Hölle hat einfach alles: Fünf einstellbare Weckzeiten für den üblichen Mormonen haushalt (das Gerät stammt von einer Firma aus Utah), einen Leistungsverstärker mit 300 Watt, zwei dicke Basslautsprecher im Koaxialen Aufbau mit integrierten Hochtönern aus Mylar in einem Titangehäuse, CD-Player, Radio mit automatischem Suchlauf und 1000 Senderspeicher für 7 verschiedene Frequenzbänder, automatische Zeiteinstellung per Funksignal, dimm bare Displaybeleuchtung, schrittweise Lautstärkeerhöhung sowohl bei Radio als auch bei CD-Wiedergabe und den 50 integrierten Naturgeräuschen, und wenn man lieb ist, haucht er einem am Morgen frischen Pfefferminzduft in die Nase. 1500 Euro!

Der “normale Hausgebrauch” kommt ins Spiel. Naja, wir verkaufen keine Profi-Radiowecker. Nur vielleicht etwas überkandidelte Geräte für die “normalere” Zielgruppe und ihren ganz eigenen Hausgebrauch. Normaler Hausgebrauch bedeutet im Allgemeinen: Nicht teuer. Aber neugierig sind sie trotzdem alle. Der Finger wandert weiter. Und der? Und der? Und der…? 198 Radiowecker und 396 Minuten später landen wir wieder bei dem für 5,99. Der ist aber auch gut. Und wecken kann der auch. Und zu teuer ist der auch nicht. Für den normalen Hausgebrauch eben. “Ich weiß nicht”, sagt er, “vielleicht sollte ich nochmal ‘ne Nacht darüber schlafen.” Meine Hände wandern vorsichtig aber bestimmt an seine Gurgel, wo ich ihn unter den Anfeuerungsrufen meiner wartenden Kundschaft langsam die Luft abdrehe, und zwar genauso langsam, wie er mir soeben meinen Lebenswillen ausgesaugt hat. “Du nimmst jetzt das verdammte Ding, oder du kommst hier nicht mehr lebend raus!” Wie ich ihn los lasse, schnappt er sich einen dieser Schrottwecker und rennt damit um sein Leben, zur dicken Arabella, die sich aus Versehen in ihrer letzten Pause eine komplette Tafel Schokolade in ihre Bluse gerieben hat. Sie lächelt ihn fröhlich an. Arabella und ich wissen, was unser Kunde nicht weiß. Was niemand unserer Kunden auch nur erahnen würde: Der Radiowecker, für den er im Begriff ist 5,99 zu bezahlen ist gerade mal 30 Cent wert. Doch das wird für immer unser Geheimnis bleiben, bis wir uns an billigen Radioweckern dumm und dämlich verdient haben und uns in der Klapsmühle eine Luxussuite leisten können um dort bis zum Ende unserer Tage hinter verschlossenen Türen bei hübschen Naturgeräuschen aus dem 1500 Euro Radiowecker genüsslich unsere in Diätbrühe getauchte Schokolade genießen.

Geweckt von polternden Müllmännern an einem regnerischen Tag liege ich eine Weile mit offenen Augen ganz allein im Bett und leide genüsslich unter Kopfschmerzen. Das späte zu Bett gehen hat sich über die Jahre doch nicht bewährt. Dem Schlafrhythmus, den ich wollte, ließ sich der Körper nicht unterwerfen und hinter mir liegen nun Jahre voller Streit zwischen Geist und Fleisch. Jetzt, wo das Fleisch an reife stark zugenommen hat, macht es seinen Anspruch geltend. Die Rechte Hälfte meines Kopfes zischt mit jedem Wimpernschlag und das Geräuschvolle Treiben in meinem Badezimmer lässt mich so sehr zucken, dass ich unter den Schmerzen laut schreien könnte, tu es aber nicht. Die Tür des Schlafzimmers öffnet sich ganz plötzlich, ich knipse den Fernseher an und meine Freundin stöpselt ihr Glatteisen in die nächstgelegene Steckdose. Während ich von einem Kanal zum anderen springe, hält sie einen halbstündigen Monolog über die Widerspenstigkeit ihres Haars. Dann stellt Olli Geißen ein paar fettleibige und von der Natur vergessene Gestalten vor. Meine Freundin ruft „STOP!“. Olli Geißen ist einer von dreien im Deutschen Fernsehen, dem ich vollkommen unverschämt mein Gemächt präsentieren würde, um ihm mit ordentlichem Druck gezielt in die Fresse zu Pissen. Die anderen beiden findet meine Freundin auch gut. Olli fragt mich, warum ich so schlecht gelaunt bin. „Ich hatte einfach zu wenig Kaffee, heute, “ sage ich und einer aus dem Publikum möchte nun über Kaffee als Droge diskutieren, und ob ich mir über die Gefahr des Kaffeetrinkens denn gar nicht bewusst sei. Meine Freundin biegt ihr Glatteisen zu einem Bumerang und schaltet den Schwachkopf mit einem gezielten Wurf aus. Dann höre ich den zweiten Teil ihres Haarmonologs, diesmal aus dem Badezimmer. Der Fernseher ist längst wieder ausgeschaltet. Ich Quäle mich aus dem Bett, ziehe die Jalousien hoch und genieße kurz die frische Luft. Nicht nur mein Kopf, die ganze rechte Seite meines Körpers kämpft gegen mich an. Ich weiß nicht, was sie will. Schlafen möchte sie nicht mehr, aufstehen noch weniger, oder vielleicht liegt es einfach an der Endlos gewordenen Serie von Haaranekdoten, die mir beinahe jeden Morgen geboten werden. Mein Körper scheint zu resignieren und da, ganz Plötzlich bin ich wieder eins mit ihm. Aufs Klo muss ich und frage, wie lange sie noch braucht. Muss ich groß oder klein, werde ich gefragt. Was das für eine Rolle spielt, frage ich. Ein weiterer Monolog folgt, über die Planung des gesamtmorgendlichen Ablaufs: Wenn ich groß müsse, würde sie die Zeit nutzen, einen Tee zu kochen und den Frühstückstisch zu decken. Sie würde eine Dreiviertelstunde einplanen, schließlich nehme ich mir jedesmal ordentlich Zeit und das Bad müsse nach dem großen Geschäft ja auch noch ein paar Minuten belüftet werden, und in diesem Falle soll ich bloß nicht vergessen, das Fenster zu öffnen. Sollte es sich um ein kleines Geschäft handeln, wäre es durchaus in Ordnung dies in ihrer Gegenwart zu erledigen, natürlich sitzend, wir kennen uns ja nun schließlich in und auswendig und warum soll man sich da was vor machen. Danach hätte ich noch genug Zeit, das Kochen des Tees und das Decken des Frühstückstisches zu übernehmen, bis ihr Haar geglättet ist. Dann käme sie mir zu Hilfe.

Ich bin doch kein kleines Kind, verdammt, denke ich und lüge ich müsse groß. Da ich weder einen Schrank noch ein Regal für dieses Zimmer besitze, legt sie ihr heißes Glatteisen auf den Boden, küsst mich auf die Wange und verlässt das Bad. Ich habe eine Dreiviertelstunde, also setze ich mich erst mal, nachdem ich gepinkelt habe. Am Ende ist die Frage, ob klein oder groß weder albern noch abwertend oder gar vollkommen überflüssig. Sie ist entscheidend für meinen Seelenfrieden. Und das mehrmals am Tag.

Vor Ablauf meiner Schonfrist entsorge ich ordentlich Klopapier, um das „große Geschäft“ auch als ein solches zu tarnen. Dann spüle ich und produziere ein paar Geräusche der eingesetzten Klobürste, inklusive Tropfwasser abschütteln indem ich sie vorsichtig aber geräuschvoll an den Klodeckel schlage. In meiner Unachtsamkeit stoße ich mit dem dicken Zeh gegen das heiße Glatteisen und verbrenne mir ein wenig Haut. Ich kühle meinen Fuß sofort unter kaltem Wasser, dessen Geräusch sie ohne Zweifel als ausführliches Händewaschen interpretiert. Ich werfe ihr nicht vor, dass sie ihr glühendes Glatteisen einfach hat rumliegen lassen. Ich würde vermutlich ein Regal anbringen müssen, für ihren Kram und das vermutlich noch während ich groß mache. Möchte ich nicht.

Am Frühstückstisch angekommen und noch eine weitere halbe Stunde gewartet, setzt sie sich endlich dazu. Ihr Haar zeigt starr gen Fussboden wie die Arme eines steif-stolzen NVA-Soldaten. Ob ich denn jedes Mal so verdammt viel Klopapier bräuchte, fragt sie mich. Diese Frage hätte höchstens dann eine Existenzberechtigung, wenn sie nach mir den Topf für sich beansprucht hätte, natürlich weniger als eine Dreiviertelstunde und zu ihrem Entsetzen kein Papier mehr vorgefunden hätte, schlimmer noch, wenn sie von leeren Klorollen umzingelt würde. Doch wir sitzen hier bei Tisch und sind im Begriff zu essen. Der einzige Mensch dem ich so eine Frage jemals habe durchgehen lassen, war meine Mutter. Und auch nur deswegen, weil ich damals ein Dreizehnjähriger auf geheimer Entdeckungsreise war. „Hast du das Glatteisen ausgestöpselt?“ entgegne ich. Was das denn jetzt damit zu tun habe. Ach… ich glaube ich muss schon wieder groß, ich weiß auch nicht. Ja natürlich, diesmal weniger Papier.

Viele, viele hässliche Menschen kämpfen sich durch Bremens Lloyd Einkaufs-Passage in der Innenstadt, wo ein ahnungsloser Reporter mit einem riesigen Mikro versucht, einige Stimmen für einen Radiobeitrag einzufangen. „Kennt ihr die Augsburger Puppenkiste?“  Na klar kennen wir die. „Und wie wurde das gemacht?“ Wie das gemacht wurde? Na, mit Puppen halt. An so Fäden. Und das Wasser war meistens eine blau schimmernde Plane. Er verliert keine Zeit und sagt erst gar nicht, wo er herkommt und warum er seine Fragen an uns stellt. Allerdings funktioniere ich nicht besonders gut auf Knopfdruck. Ich kann meine Gedanken nicht sofort in andere Bahnen lenken. Also ich könnte schon, wenn ich an Marmelade denke mir im nächsten Moment Nutella aufs Brot schmieren, aber vom Gedanken, ob man bei der Lloyd-Passage das erste und das zweite L der Reihe nach, oder eben zusammen ausspricht direkt auf Puppentheater umzuschwenken überfordert mich. Vielleicht auch einfach, weil‘s mir im Grunde vollkommen egal ist. Wäre ich bei Big Brother eingesperrt, und plötzlich spielen die während eines dramaturgisch wichtigen Unterhosenwechsels bei mir selber laute Musik ein, könnte ich nicht einfach so drauf los tanzen. Ich würde mich strickt weigern. Es sei denn, in meinem Big Brother-Vertrag steht ausdrücklich: Tanzen!

Trotzdem strenge ich mich an, denn vielleicht komme ich ja ins Radio. Außerdem habe ich meine strickte Verweigerungshaltung gerade vergessen und wie er mir das Monster-Mic unter die Nase hält, versuche ich in höchster Eile alles über die Augsburger Puppenkiste auszuplaudern, was mir in den Sinn kommt. Zum Beispiel eine Hexe, die sich auf dem Dach eines kleinen Hauses auf ihren Besen schwingt, mit dem rechten Bein wackelt und ruft, herab vom Dach mit uns. Kann er nichts mit anfangen, der Radiomann. Außer mir kann sich vermutlich nur noch mein Bruder an diese Szene erinnern, und ich kann nicht einmal sagen, zu welcher Geschichte diese Hexe gehört. Ein riesiges Fragezeichen schwebt über uns und der Rundfunkkollege ist beinahe schon im Begriff, mir das Mikro weg zu ziehen. Urmel, fällt mir ein und ich rufe „Urmel aus dem Eis“, doch das ist keine Antwort auf seine Frage. Wie das gemacht wurde…  woher soll ich das wissen, ich war ja nicht dabei. Aber die Frage hatte ich ja eigentlich auch schon irgendwie beantwortet und Jim Knopf fällt mir nicht ein, aber Schlupp vom grünen Stern. Das Fragezeichen wird immer größer, schwebt aber nun ausschließlich über dem Kopf des Fragers, denn ich find‘ mich super, mit Schlupp im Schlepptau. Das Mikro baumelt längst wieder an seinem Arm neben seinem Knie und seine Stirn runzelt was das Zeug hält. Er sieht sogar recht angewidert aus. Schlupp kennt er überhaupt nicht, sagt er. Und jetzt erst, wo ohnehin schon alles vorbei ist, frage ich, wofür das alles gut ist. Die Augsburger Puppenkiste wird 50, sagt er. Und geht. Ich fühle mich inkompetent und rufe noch schnell und süffisant „Viel Glück“, von wegen - ich weiß ja, dass du mit meinem Beitrag nicht viel anfangen kannst, aber das stört mich nicht weiter. Wie kann er Schlupp nicht kennen? Vielleicht ist das ja auch gar nicht sein Problem.  Die Augsburger Puppenkiste wird nämlich sechzig und nicht fünfzig. Also nochmal… Viel Glück